Das Märchen vom fertigen Buch

Aus dem Leben eines Indie Autoren

Du hast einen Fehler in einem Buch gefunden.

Es ist eigentlich fast gar nichts, nur ein Wort, dass verwechselt wurde und das jetzt in Deinem Kopf steckt und einfach nicht mehr weg geht. Es ärgert Dich, denn es hat Dich aus Deinem Lesefluss gerissen und Du liest plötzlich nicht mehr nur die Geschichte, wie bisher, nein, Du suchst jetzt auch nach möglichen weiteren Fehlern; Du erwartest regelrecht in jedem neuen Satz eine neue Unaufmerksamkeit des Autors. Und wieder einmal fühlst Du Dich bestätigt: Indie Autoren taugen nichts. Oder der Verlag, der dieses Buch herausgebracht hat, hat schlampig gearbeitet. Es wirkt wie ein Verrat am Leser oder an der Geschichte. Oder im schlimmsten Fall beides!

Perfektionistische Autoren…

Vor ein paar Tagen habe ich von einer Autorenkollegin gelesen, die sinngemäß gepostet hat: „Meine Geschichte geht in den Druck, jetzt bloß nicht mehr in den Text gucken, damit ich nicht doch noch einen Fehler finde und mich dann ärgere.“ Dieses Gefühl kenne ich gut, denn als Autor bin ich Perfektionist. Vielleicht sind nicht alle meine Kollegen perfektionistisch, aber die, die ich kenne, würde so etwas sehr stören. Mich eingeschlossen. Aber es sind ja auch nicht nur Rechtschreibe- Tipp- und Grammatikfehler, die stören können, es gibt ja auch Fehler im Layout, in der Covergrafik und noch mehr handwerkliche Probleme. Und dann ist da noch der große Part mit der Geschichte, die sich weiterentwickelt.

… und Leser mit Gewohnheiten

Als Autor lebe ich in meiner Geschichte. Auch das teile ich mit vielen Kollegen. Dadurch werden die Geschichten auch für die Leser lebendig. Aber wie es oft mit lebendigen Dingen ist, sie entwickeln sich weiter, verändern sich. Zum Beispiel die Kurzgeschichten: Seit ich sie veröffentlicht habe, haben sie sich mehrfach verändert, zum Teil nur in Form von „optischen“ Dingen, wie Rechtschreibefehler herausnehmen und neue Grafiken einfügen, zum Teil aber auch inhaltlich. Es geht mir dabei immer darum, die Gesamtgeschichte, das Universum, Konsistent zu halten. Für mich, aber natürlich auch für meine Leser. Das führt aber unweigerlich dazu, dass, wenn ich weiter schreibe und die Geschichte dadurch erweitere, auch schon „fertige“ Komponenten immer wieder angepasst werden müssen. Dadurch sind im Endeffekt meine Bücher nie richtig fertig. Über George Lucas wird geschimpft, weil er Star Wars immer wieder verändert hat. Das ist für den Leser / den Konsumenten ärgerlich, aber ich kann ihn verstehen: Es ging ihm darum, das beste aus der Geschichte herauszuholen und da hat er wenig Rücksicht auf das Gewohnheitsverhalten der Leser genommen. Ob es die richtige Entscheidung war, möchte ich nicht beurteilen.

Papier vs. Elektronik

Vor allem in den letzten Tagen habe ich viel über Bücher, eBooks und andere Veröffentlichungsmethoden nachgedacht. Wie könnte man den Leser auf dem Laufenden halten mit der Entwicklung der Geschichte. Sicherlich will ein Leser, nur, weil ihm das Buch gefallen hat, nicht alle paar Monate das Buch neu kaufen, um sich wieder auf den aktuellen Stand zu bringen, um Inkonsistenzen mit den Nachfolgebüchern aus dem Weg zu gehen. Wer wird sich überhaupt die Mühe machen, einen Text zweimal zu lesen? ich habe in dem Zusammenhang auch darüber nachgedacht, das ganze ARMATIN-Univerum nur noch online zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel in Form eines Clubs oder über ein Patreon-Projekt. Dafür könnte ich die Bücher in Episoden auftrennendie online abrufbar sind und den Mitgliedern zur Verfügung stellen. Das wäre für mich die Abkehr vom klassischen Bücher-Konzept. So weit bin ich aber noch nicht, denn ich mag Bücher und ich mag auch die Aufteilung meiner Geschichte in 9 Bücher.

Vielleicht muss ich aber auch einfach weniger perfektionistisch werden und akzeptieren, dass es in meinem Werk Fehler gibt. Jeder macht schließlich Fehler, egal, ob als Indie Autor oder als Verlagsautor. Auch Verlage machen Fehler – das habe ich selbst erfahren, deswegen bin ich jetzt wieder als Indi unterwegs. Die Frage ist und bleibt einfach: Wie tolerant gehen meine Leser mit meinen Fehlern um? Akzeptieren meine Leser meine Fehler und auch die Tatsache, dass ich meine Geschichte hin und wieder aktualisiere, um eben diese Fehler zu korrigieren?

Fertige Bücher sind ein Märchen, ich hoffe, das können auch meine Leser so sehen.

Kommentare sind geschlossen.